Freie Pädagogische Initiative für eine Neue Lernkultur

Heinz H. Hausner - Ein wahrer Freund von Lernkultur

1924 - 2007
Ingenieur, Philosoph, Denker, Schriftsteller, ger. beeid. Sachverständiger

Home, zur nächsten Seite, zum Menu

Bitte um Beachtung! Alle hier bereitgestellten Informationen sind historisch zu verstehen. Alle gedruckten Werke von Heinz H. Hausner sind inzwischen vergriffen und nicht neu aufgelegt. Auf Anfrage kann ich einzelne Restexemplare des Werkes "Verantwortung" vergeben.


Der Gottesbegriff Jesu

(Anmerkung: Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus einem Beitrag zum "Dialog für Österreich" vom April 1998 über das Evangelium vom Reiche Gottes. Heinz H. Hausner widmete diesem Evangelium sein Lebenswerk, das in der Trilogie "Die zeitlose Lehre Jesu", Bad Sauerbrunn 1995, gipfelt.)
Zu diesem Thema existiert ein Diskussionboard an http://www.lernkultur.com/hhh/messageboard.shtml

Der Jude Jesus hat sich, den Berichten der christlichen Bibel entsprechend, schon als Kind immer für Gott interessiert. Seine Eltern schickten ihn daher schon in seinen Jünglingsjahren zu den Essenern, wo er die Möglichkeit hatte, alles über Gott zu lernen, was die Essener darüber wußten und selbst lehrten.

Nach den strengen Vorschriften dieser jüdischen Glaubensgemeinschaft mußten ihre Mitglieder 1/3 der Nächte in den Büchern der hebräischen Bibel lesen. Jesus war daher mit diesem Werk in besonderer Weise vertraut und hat seinen eigenen Gottesbegriff, - abweichend vom Gottesbegriff der Essener, - aus diesem intensiven Studium erarbeitet. Er hat die Glaubensvorstellungen der fundamentalistischen Essener nicht einfach blind übernommen, sondern eine andere Gottesvorstellung gewonnen als seine essenischen Freunde.

Joh 17,25-26+3: "Gerechter Vater! Die Welt [die Juden, im besonderen Maße die Essener] hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie [die Jünger] haben erkannt, daß du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen [dein Wesen] bekannt gemacht und werde ihn [es] bekannt machen, damit die Liebe [Agape*], mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.' Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen,' " (Kursive Einschübe durch den Autor)

berichtet er selbst über sein Gottesbild.

* Anmerkung: Für unseren Begriff "Liebe" gibt es (im Griechischen) mehrere Wörter mit unterschiedlichen Definitionen. Die in der christlichen Lehre verankerte "Nächstenliebe", die Jesus gepredigt haben soll, wird im Urtext als "Agape" bezeichnet. Dies bedeutet jedoch "Streben nach höchsten Verständnis". "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst" lautet also eigentlich "Du sollst danach streben, deinen Nächsten zu verstehen wie dich selbst."

Wollen wir wissen, wie Jesu Gotteserkenntnis beschaffen war, müssen wir die Eigenschaften Gottes betrachten, die in der hebräischen Bibel angeführt sind. Erinnern wir uns also an unsere Schulzeit und an den Religionsunterricht bezüglich der Schöpfungsgeschichte:

Adam und Eva lebten im Paradies, in dem auch zwei besonders erwähnenswerte Bäume standen: Der Baum des [ewigen] Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Von letzterem sollten Adam und Eva nicht essen. Der Baum des Lebens wurde von Gott erst später als verboten bezeichnet.

Sie aßen trotzdem:

Die Schlange, - schon damals keineswegs das Symbol des Satans, sondern das der Klugheit, - sagt zu Eva:

Gen 3,5-6: "Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon eßt, gehen Euch die Augen auf. Ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, daß es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, daß der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß," -

und Gott bestätigte anschließend ausdrücklich den Hinweis der Schlange:

Gen 3,22: "Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir. Er erkennt Gut und Böse."

Die Männer Israels wußten also schon vor mehr als 3000 Jahren, daß die Erkenntnis von Gut und Böse den Menschen zum Menschen macht, und haben dieser geistigen Anlage den höchstmöglichen Stellenwert beigemessen, der ihnen zur Verfügung stand: Sie haben ihn mit seiner von Gut und Böse als Gott-ähnlich dargestellt.

Über die Art der Ähnlichkeit sagt Gott: "Der Mensch erkennt Gut und Böse" wie Er, Gott selbst. Das Wesen Gottes ist damit auch zum Wesensmerkmal des Menschen geworden! Dessen Gott-Ähnlichkeit liegt im Bereich seiner nun neu hinzugekommenen geistigen Möglichkeiten.

Damit war aber auch die Verantwortung für die Erde auf die Menschen übergegangen, wenn sie selbst handelten: Sie aßen vom Baume der Erkenntnis und verbargen sich. Gott wußte alles, sah sie und fragte sie trotz seines Wissens, um sie erstmals auf die Pflicht zur Verantwortung hinzuweisen:

Gen 3,9+13: "Wo bist du? - Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? - Die Frau fragte er: Was hast du da getan?"
und beide redeten sich auf andere aus, wie dies auch heute noch der Fall ist, wenn ein Übeltäter wegen seiner Tat zur Verantwortung aufgerufen wird. Adam sagte (wahrheitsgemäß): "Die Frau, die du mir beigesellt hat, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen," und die Frau antwortete: "Die Schlange [d.i. der Wunsch nach Klugheit] hat mich verführt, und so habe ich gegessen."

Gott wußte, daß die beiden, bevor sie vom Baum gegessen hatten, ihre eigene Erkenntnis noch nicht einsetzen konnten, weil sie vorher diese geistige Möglichkeit noch nicht besessen haben. Er sah die Übertretung eines Verbotes daher nicht als Sünde an, sondern hatte Verständnis. Sündigen kann man erst, wenn man die Möglichkeit der Erkenntnis besitzt und dadurch Verantwortung zu tragen hat. ER machte ihnen selbst Röcke aus Fellen, um zu zeigen, daß er ihnen nicht böse gesinnt war. Und ER bestrafte sie nicht, wie christliche Theologen seit Augustinus (354-430) die Verse fälschlich auslegen. Er machte sie bloß darauf aufmerksam, daß das, was ihnen vor der Erkenntnis bereits gegeben war, ihnen nun erst als Mühsal bewußt werden würde:

der Frau eine mühselige Schwangerschaft, Schmerzen beim Gebären, Verlangen nach Ihrem Mann, obwohl sie von diesem beherrscht wird,
dem Mann einen kargen Ackerboden, unter Mühsal wird er die Ernte einbringen, Dornen und Disteln werden auf seinem Acker wachsen, und die Pflanzen des Feldes muß er essen, im Schweiße seines Angesichts muß er sein Brot essen.

Das ist der ganze, geistig im Menschen jedoch höchst real wirksame Unterschied der Lebensbedingungen vor und der Erkenntnismöglichkeit und nach der Erkenntnis von Gut und Böse. Äußerlich hat sich vor und nach der Erkenntnismöglichkeit nichts geändert. Aber der Mensch empfindet mit seiner Erkenntnismöglichkeit grundsätzlich unterschiedlich!

Die auch von KANT vor etwa 200 Jahren gestellte, aber unbeantwortet gebliebene Frage: "Was ist der Mensch?" wurde also schon vor mehr als 3000 Jahren beantwortet! Ob die Menschen damals diesen Hinweis auf ihr eigenes menschliches Wesensmerkmal und ihre damit verbundene enge Verbindung mit Gott voll verstanden haben, wissen wir nicht. Aber noch zur Zeit der Geburt Jesu hatten die Juden die volle Bedeutung nicht erfaßt, - Mose hat ihnen in seinen fünf Büchern 613 Gesetze gegeben und diese so formuliert, als hätte Gott selbst deren strenge Einhaltung gefordert.

Jesus stieß also auf einen Widerspruch:

Einerseits ist Gott selbst nach Gen 3,22 die Erkenntnis von Gut und Böse, anderseits gibt derselbe Gott den Hebräern 613 Gesetze, die wörtlich zu befolgen sind.

Entweder der Mensch muß nach Gen 3,22 selbst über Gut und Böse nachdenken und damit seine Gott-Ähnlichkeit zur Wirkung bringen,
oder er muß ohne eigenes Nachdenken Gottes Gesetze befolgen.

Beides widerspricht sich und ist daher unmöglich.

Die Essener haben sich auf den fundamentalistischen Standpunkt der strengen Einhaltung der Gesetze Gottes beschränkt. Jesus, obwohl ursprünglich Essener, hat sich nach seinem gründlichen Studium der hebräischen Bibel und der essenischen Schriften voll und ganz zur Gott-Ähnlichkeit bekannt, also die eigene Erkenntnis als wesentlich gepredigt. Den Begriff Erkenntnis von Gut und Böse hat er zwar niemals erwähnt, aber doch die Gott-Ähnlichkeit des Menschen in geistigem Sinn ebenso zum Ausdruck gebracht wie Paulus:

Mt 6,48: "Ihr sollt also vollkommen sein, wie es euer himmlischer Vater ist."

Ein Vers, der sinngemäß mit folgenden Worten aus dem 3. Buch Mose ident ist:

Lev 11,44-45: "Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig und seid heilig, weil ich heilig bin. Ihr sollt daher heilig sein, weil ich heilig bin."
Ähnlich auch in Lev 19, 1-2.

Paulus fordert:

Eph 4,22-24+5,1: "Legt den alten Menschen ab, . . ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn. Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. . . Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder."

Mit dem Begriff heilig ist an diesen Stellen die Heil-bringende Gott-Ähnlichkeit und damit das Streben nach Sündenlosigkeit gemeint. Das Wesentliche dieser Aussagen: der Mensch soll sich als heilig erweisen, wei1 auch Gott heilig und der Mensch unter bestimmten Voraussetzungen Gott-ähnlich ist, und: Gott selbst, sowie Jesus und Paulus fordern den Menschen wörtlich bzw. sinngemäß auf, seine Gott-Ähnlichkeit, seine Erkenntnis von Gut und Böse bewußt zu nützen, so daß er möglichst nahe an IHN herankommt.

Tatsächlich haben die besten der jüdischen Wissenschaftler bezüglich der von Gott über die Vermittlung von Mose gegebenen strengen Gesetze immer nur von ,,Weisungen" gesprochen, was die eigene Erkenntnis nicht ausschließt. Immer gab es, - und gibt es noch, - strenggläubige Juden, die sich als Fundamentalisten mehr an die Buchstaben der hebräischen Bibel als an die Kraft ihrer eigenen Erkenntnis.

Aus der hebräischen Bibel hat Jesus entnommen, daß die Menschen in ihrer geistigen Möglichkeit der Erkenntnis von Gut und Böse Gott-ähnlich sind, und erkannt, daß dieses Geistige im Menschen vorhanden ist und wirkt. Mit anderen Worten: Gott ist das Wesen des Menschen und ER wohnt als geistiges Prinzip daher in ihm! Das wird in der christlichen Bibel häufig in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck gebracht:

Kor 3,16: "Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?"
1 Kor 6,17: "Wer sich dagegen an den Herrn bindet ist ein Geist mit ihm." (Hervorhebung durch den Autor)
Job 14,23: "Wenn jemand mich liebt [meine Lehre versteht], wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben [verstehen], und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen." (Herborhebung durch den Autor)
Joh 17,21: "Alle [Menschen] sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich [mein Evangelium vom Reich Gottes] gesandt hast." (Hervorhebungen durch den Autor)
Mt 10,20: "Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist Eures Vaters ist es, der in euch redet." (Kürzinger*)
Lk 17,21: "Man wird euch sagen: Siehe hier, oder: da ist es, denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch." (Luther*)
* Wenn die "Einheitsübersetzung" der röm.-kath. Kirche mit dem Gottesverständnis Jesu nicht übereinstimmt, wurden andere Übersetzungen verwendet, die dieser Anforderung entsprechen.

Solche Stellen durchziehen das ganze Evangelium, das schließlich von Jesus auf sein Ziel, auf das Reich Gottes, ausgerichtet ist, Auf jenes Reich, in dem die Menschen ausschließlich entsprechend ihrer Erkenntnis von Gut und Böse, ihrer geistigen Erkenntnis, - leben. Alle Triebe, der Egoismus, das Machtstreben und vieles andere, das auf materiellen Arten der Erkenntnis beruht, soll er durch seine geistige Erkenntnis beherrschen lernen, um Böses zu vermeiden.

Die Aussage Gottes über sich selbst, ER sei die Erkenntnis von Gut und Böse, also ein geistiges Prinzip, das auch im Menschen wirkt, hat Jesus ausdrücklich mehrfach sinngemäß bestängt bzw. ergänzt:

Joh 4,24: "Gott ist Geist!" (Die Erkenntnis ist etwas Geistiges)
Joh 3,8: "Der Geist weht wo er will. Du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht."
(Ein Synonym für den Namen Gottes, JAHWEH, deutsch nach Martin Buber: "Ich bin der ich dasein werde", also unbestimmt, je nach dem, ob der Mensch ihm Wohnung gibt oder nicht.)
Joh 6,36: "Der Geist ist es, der Leben gibt, das Fleisch ist ohne Nutzen."
(Hier weist 'Geist' eindeutig auf den Geist des Menschen hin: Das Geistige im Menschen, das ihn Gott-ähnlich macht, also seine Erkenntnis, ist wesentlich wichtiger als sein biologisches Leben.)

Paulus, der mit Jesus völlig übereinstimmt, sagt unter den mehr als 120 Zitaten über den Geist:

1 Thess 5,19; "Löscht den Geist [im Menschen] nicht aus." (Hervorhebung durch den Autor)
(Paulus betont damit die Wichtigkeit der geistigen Erkenntnis für den Menschen und die ihm mögliche Gott-Ähnlichkeit.)

Jesus sagt ferner:

Gott ist unser - und Sein - Vater.

Denken wir nur an das 'Vater Unser'. Es zeigt wieder die enge geistige Verbindung der Menschen mit Gott, - Gottes zu den Menschen, und

Lk 18,19: "Gott ist das Gute."
Joh 17,17: "Heilige sie [die Jünger] in der Wahrheit. Dein [Gottes] Wort ist Wahrheit." (Herborhebungen durch den Autor)
1 Joh 4,8: "Gott ist die Agape" [das vollkommene Verständnis]. (Hervorhebung durch den Autor)

Der Mensch kann allerdings das absolut Gute, die vollkommene Erkenntnis der Wahrheit und das absolut richtige Verständnis nicht erreichen. Ihm sind die vollkommenen Seinsweisen Gottes bloß als Möglichkeiten und daher nur unvollkommen gegeben.

Gott umfaßt im Gottesbegriff Jesu alle positiven Eigenschaften die auch im Menschen wirken können, wenn er sich darum bemüht. Sie sagen uns gemeinsam mit der uns von Gott gegebenen Erkenntnis, wie wir uns im praktischen Leben gegenüber unseren Mitmenschen und unserer Umweltverhalten mögen. Auf diese Eigenschaften ist das sogenannte Liebes-Gebot, - besser verstehbar als ,,Gebot des Verstehens" - in jenem ersten Satz bezogen, in dem sich die Agape auf Gott bezieht:

Mt 22,37: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, zu verstehen versuchen mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, und mit all deinen Gedanken."
bedeutet demnach: "Du sollst Gottes Willen erfüllen, indem du die Eigenschaften Gottes in dir zur Wirkung bringst. Denn du, Mensch, sollst ebenso deine Erkenntnis von Gut und Böse einsetzen, dich der Wahrheit verpflichtet fühlen, das Gut tun und dich um das Verstehen deines Mitmenschen bemühen, wie Gott es tut."

Das Reich Gottes (oder die 'Herrschaft Gottes') ist dann erreicht, wenn der Mensch durch sein seltst-tätiges Bemühen in möglichst hohem Maße Gott-ähnlich geworden ist. Wenn die Eigenschaften bzw. Seins-Weisen Gottes den Menschen allgemein bewußt geworden sind, daher in den Menschen wohnen und überall zur Wirkung gebracht werden.

Weil das Zusammenwirken von Vernunft und Agape [Streben nach dem Verstehen] auch mit dem Begriff Weisheit bezeichnet werden, könnte man sagen: Das Reich Gottes ist das Reich der Weisheit.


Für uns hier und jetzt das Wesentliche:

Das Reich Gottes, das Reich der Weisheit, ist zugleich das Reich der Menschlichkeit! Denn der Mensch ist bereits entsprechend Gen 3,22 in seiner Möglichkeit der geistigen Erkenntnis Gott-ähnlich und soll sowohl nach dem Wunsch Gottes als auch nach den Worten Jesu ständig bestrebt sein, sich in Richtung auf die geistige Seins-Weisen Gottes zu entwickeln. Jesu Gottes-Erkenntnis ist Inhalt, Sinn und Ziel seines Evangeliums! Zwischen dem Gottesverständnis, wie es in der hebräischen Bibel dargestellt wurde, dem Gottesverständnis Jesu und dem, was wir Menschlichkeit nennen, besteht völlige Übereinstimmung.

Jesus hat ausdrücklich betont:

Mt 11,29-30: "Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht."

Das stimmt, weil er in seiner Lehre sowohl den Menschen als auch die Menschlichkeit voll berücksichtigt hat. Es wird nun verständlich, daß er zu Petrus sagen konnte:

Mt 16,18: "Ich aber sage dir: auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinschaft bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen."

'Hades' ist der Bereich der Toten. Im Verständnis Jesu und im Zusammenhang mit Joh 17,3 der Bereich der geistig Toten. Lebt und predigt man Menschlichkeit und gründet man sie zugleich auf Gott selbst, wie Jesus es getan hat, dann kann die Menschlichkeit von den wenigen übrigbleibenden geistig Toten nicht überwunden werden.

Heute kann die Gefahr nicht geleugnet werden, daß die 'geistig Toten' langsam aber stetig die Mehrheit auf der Erde bilden können. Dies zeigt nur, daß das Gottesverständnis Jesu von den christlichen Glaubensgemeinschaften bisher noch nicht genügend Beachtung gefunden hat.

 

Im dankbaren Gedenken an einen guten Freund und Förderer einer Neuen Lernkultur,
Helmut W. Karl

Copyright © Helmut W. Karl 1988, 1998, 2017 (Originaltext aus 1988 im erneuertem Seitenlayout.)


Home, zur nächsten Seite, zum Menu

Impressum: Helmut W. Karl


Document created by Helmut W. Karl 21AUG96, last update 23Mär2017.